An der Universität des Saarlandes, deren Medizinische Fakultät in Homburg/Saar lokalisiert war, wurde 1972 mit Lothar Schmidt ein junger Psychologe mit empirischer Orientierung mit dieser Aufgabe betraut. Er hatte in Saarbrücken studiert, bei dem bekannten Persönlichkeitspsychologen und Testautor Raymond B. Cattell in den USA gearbeitet und brachte entsprechende Kompetenz in das neue Fach ein. In Ermangelung entsprechender Fachgesellschaften bildete sich bald eine Hochschullehrerkonferenz für Psychosomatik, Psychotherapie und Medizinische Psychologie (die bald auch die Medizinische Soziologie einbezog), um die neuen Fächer zu vertreten. Deren Sektion Medizinische Psychologie wurde ab 1977 von Lothar Schmidt und Jörn Scheer geleitet. Es war nicht überraschend, dass sich das neue Fach in der Notwendigkeit sah, sich seiner Identität zu vergewissern. Zwar reichten die Wurzeln des Faches bis ins 18. Jahrhundert zurück, aber es erwies sich als sinnvoll, eine „Psychologie für die Medizin“ unserer Zeit zu schaffen. 1974 wurde die Zeitschrift Medizinische Psychologie - Lehre und Forschung gegründet, deren Schriftleitung Lothar Schmidt (mit Friedbert Steigerwald) übernahm. 1975 gründete die Sektion Medizinische Psychologie eine Lernzielkommission, der neben Schmidt und Scheer auch Bernd Dahme, Wolfram Ehlers, Editha Ferchland-Malzahn, Peter Rosemeier und Klaus Wildgrube angehörten. Sie erarbeitete nicht nur Lernziele, sondern entwickelte auch konkrete Vorschläge für Unterrichtseinheiten, die sich für den Pflichtunterricht eigneten. Lothar Schmidt und Jörn Scheer bereiteten sodann die Gründung einer eigenen Fachgesellschaft vor, der Gesellschaft für Medizinische Psychologie, die im April 1979 stattfand. Zusammen mit Rolf Verres bildeten sie den Gründungsvorstand, der bis 1981 amtierte.

Lothar Schmidt erhielt 1980 einen Ruf auf die Professur für Klinische Psychologie und Gesundheitspsychologie an der neugegründeten Universität Trier. Dort war er bis zu seiner Emeritierung 2001 tätig. Er hielt auch weiterhin den Kontakt zur Medizinischen Psychologie, die er in ihren Anfängen entscheidend mitgeprägt hat.

Um diese Zeit nahm der Vertreter der Medizinischen Psychologie in Berlin (Ost), Hans Szewczyk, mit dem Vorstand der Gesellschaft für Medizinische Psychologie Kontakt auf, um einen fachlichen Erfahrungsaustausch mit den Fachvertretern in der DDR einzuleiten. Ein Besuch von Schmidt und Scheer in Ost-Berlin begründete dann die freundschaftlich-kollegialen Beziehungen zu den Kolleginnen und Kollegen in der DDR, die ein ähnliches Verständnis zur Medizinischen Psychologie entwickelt hatten wie die in der Bundesrepublik. Dies führte im Jahre 1990 zu einem „Vereinigungskongress“ in Berlin, bei dem sich die Fachgesellschaft als Deutsche Gesellschaft für Medizinische Psychologie (DGMP) neu konstituierte.

Als Klinischer Psychologe sah Lothar Schmidt früh die Gefahr, dass die gerade erst etablierte Disziplin Klinische Psychologie sich eingeengt als Psychotherapie-Wissenschaft verstand. Demgegenüber betonte er die Bedeutung des sozialen Umfelds, das sich in der Gemeindepsychologie und besonders der Gesundheitspsychologie abbildet. Daher widmete er sich, nach zwei Lehrbüchern der Klinischen Psychologie (zuletzt bilanzierend 2001), als Mitherausgeber der Zeitschrift für Gesundheitspsychologie und in einem Lehrbuch der Gesundheitspsychologie, dieser erweiterten Perspektive. Dazu trug auch seine Mitarbeit an der Psychiatrie-Reform im Landeskrankenhaus Merzig (Saarland) bei. Die Bedeutung der Arzt-Patient-Beziehung, gerade auch in der Organmedizin, die die Frühzeit der neuzeitlichen Medizinischen Psychologie kennzeichnet, war ihm auch später noch ein wichtig.

Das gemeinsame Anliegen im Rahmen der Medizin hat viele Angehörige der Gründergeneration der Medizinischen Psychologie zu Freund(inn)en werden lassen. Lothar Schmidt war auch durch seine freundliche und zugewandte Art eine zentrale Figur. Viele von ihnen sind verstorben (v.Kerekjarto, Beckmann, Rosemeier, Zenz und andere), alle anderen sind im Ruhestand. Nun hat uns auch Lothar Schmidt nach kurzer Krankheit verlassen. Er wurde 84 Jahre alt.

Jörn Scheer (Hamburg), Elmar Brähler (Gießen) für die DGMP, im Dezember 2020

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