Zum Gedenken


Klaus Wildgrube (1939 - 2012)

Dr. rer. biol. hum. Klaus Wildgrube, geb. am 15.05.1939 in Berlin, ist am 22.11.2012 fast genau acht Jahre nach seinem Übertritt in den Ruhestand in Hannover verstorben.

Klaus Wildgrube gehörte zu den Gründungsvätern der Medizinischen Psychologie an der Medizinischen Hochschule Hannover, der er seit 1971 als wissenschaftlicher Mitarbeiter angehörte. Seine zuvor gesammelten Lehrerfahrungen in der Pädagogischen Psychologie an der Universität Hannover brachte er mit großer Begeisterungsfähigkeit in die Vorlesungen und Pflichtkurse für Studierende der Humanmedizin an der MHH ein. Gemeinsam mit Prof. Dr. Dieter Langer (Zentrum für Psychologische Medizin), Prof. Dr. Karl Peter Kisker (Abt. Sozialpsychiatrie) und dem Gründungsdirektor der Abteilung Medizinische Psychologie, Prof. Dr. Uwe Tewes, entwickelte er bereits ein klinisch orientiertes Curriculum für das Studium der Medizinischen Psychologie an der MHH, als dies noch gar nicht zum Kanon der Pflichtfächer des Medizinstudiums zählte. Seither ist er vielen Studierendengenerationen durch seine lebendigen und immer am Erleben der Patienten orientierten Vorlesungen, Seminare und Praktika in prägender Erinnerung. Über die über 30 Jahre seiner Tätigkeit an der MHH betreute er zahlreiche Doktoranden, wobei ihm stets die enge Verbindung von Psychologie und Organmedizin - insbesondere in seinem Arbeitsschwerpunkt der Schmerzforschung – wichtig war. Hier führte er nicht nur im Rahmen der akademischen Lehre, sondern auch klinisch in der Schmerzambulanz der MHH anatomische, neurophysiologische, biochemische und psychologische Erkenntnisse eindrucksvoll und über die Fachgrenzen hinaus zusammen.



Mit sonorer Stimme immer humorvoll und eloquent: Klaus Wildgrube

Mit großem Engagement war Klaus Wildgrube 1981 bis 2004 fast durchgehend im Vorstand der (Deutschen) Gesellschaft für Medizinische Psychologie tätig. Er war über zwei Jahrzehnte quasi die Seele der DGMP, derjenige, der immer über alles Bescheid wusste, was von berufspolitischem Belang für die Medizinische Psychologie war, der Rat erteilen konnte und auf seine sonore, ruhige Art Kompromisse vorschlug, wenn die Meinungen einmal hart aufeinanderprallten. Bewundernswert war die Eloquenz, mit der er komplizierte Sachverhalte verständlich darstellen konnte und sein Humor. Wo andere böse die Stirn runzelten, konnte er lächeln, aber dennoch seinen Standpunkt mit fundierten Argumenten überzeugend verteidigen.

Nach seinem Übertritt in den Ruhestand im Jahr 2004 ist er der Medizinischen Psychologie der MHH eng verbunden geblieben. Er begleitete die Neuausrichtung des Unterrichts im Rahmen des Modellstudiengangs HannibaL mit großem Interesse und beteiligte sich daran bis zum Sommertertial 2012 aktiv in der Rolle eines wohlwollenden aber auch kritisch motivierenden Lehrpatienten. Dabei unterstützte er junge Studierende bereits im ersten Studienabschnitt einfühlsam darin, die eigene Rolle als Arzt oder Ärztin zu definieren und eine tragfähige von Empathie geprägte Arzt-Patient-Beziehung zu entwickeln. Klaus Wildgrube war darüber hinaus Autor mehrerer bekannter und bis heute bundesweit geschätzter Lehrbücher zur Medizinischen Psychologie und langjähriger Mitherausgeber der Zeitschrift Psychomed. Hier setzte sich Klaus Wildgrube immer wieder auch in eigenen Beiträgen mit der schwierigen Umsetzung und Gestaltung einer patientenbezogenen Medizin auseinander.

Die Kolleginnen und Kollegen der Medizinischen Psychologie haben Klaus Wildgrube nicht nur als engagierten Wissenschaftler und Lehrer geschätzt. Er war uns ein lieber Freund, der uns durch seine sozialen und kulturellen Aktivitäten als Chorsänger und Musiker in besonderer Erinnerung bleiben wird. Wir trauern mit seiner Frau Sybille und seinen Kindern Andra, Mathias und Thomas.

Für die Kolleginnen und Kollegen der Forschungs- und Lehreinheit Medizinische Psychologie der MHH

Prof. Dr. Karin Lange

Für den Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Psychologie (DGMP)

Prof. Dr. Erich Kasten