Zum Gedenken


Hermann Pohlmeier (1928 - 1996)

Hermann Pohlmeier, Leiter des Instituts für Medizinische Psychologie an der Universität Göttingen, ist am 7. August 1996 nach schwerer Krankheit verstorben.

Hermann Pohlmeier wurde am 17. Juli 1928 in Düsseldorf geboren. Er studierte Philosophie, kath. Theologie, Psychologie und schließlich Medizin in Köln, Bonn, Freiburg und München. Wichtige akademische Lehrer waren für ihn in der Internistischen Klinik Herbert Begemann, in der Psychiatrieausbildung Paul Matussek und P. von Braunmühl und in der Ausbildung zum Psychoanalytiker Fritz Riemann.

1970 bis 1975 war Hermann Pohlmeier Oberarzt bei Helmut Enke in Ulm. Diese aktive Arbeitsgruppe um H. Enke (mit Editha Enke-Ferchland, Brigitte Malzahn, H. Pohlmeier, G. W. Speierer, J. v. Troschke, K. Antons, P. Malzahn), die auch das erste Lehrbuch der Medizinischen Psychologie nach Einführung eines Pflichtfaches Medizinische Psychologie im Medizinstudium und ein Buch zum Kursus der Medizinischen Psychologie verfaßt hat, war - das war bekannt wie ein Markenzeichen - auf Schloß Reisensburg bei Ulm beheimatet.

Von 1975 an hatte Hermann Pohlmeier die Professur für Medizinische Psychologie in Göttingen inne. Von den Aufbaujahren an (in der "Ständigen Konferenz der Hochschullehrer für Psychosomatik/Psychotherapie, Medizinische Soziologie" HPPS) setzte er sich als Sprecher und einige Jahre als Vorstandsmitglied für die Medizinische Psychologie ein. Später leitete er die Praxiskommission der GMP, betonte also als einer der ersten, daß Medizinische Psychologie neben Forschung und Lehre im praktisch klinischen Einsatz gefordert ist. Seine Kontakte als ärztlicher Kollege zu klinischen Praxisfeldern waren dabei von bahnender Bedeutung. Fortschreitende Kompetenzen der Medizinischen Psychologie in Aufgaben der Patientenbetreuung waren auch ein wichtiges Feld der Präsentation beim großen VII. Kongreß "Psychologie in der Medizin" mit dem Arbeitstitel "Herausforderungen an die Medizinische Psychologie", der unter der Leitung von Hermann Pohlmeier im Mai 1988 in Göttingen stattfand.

Wissenschaftlicher und klinischer Schwerpunkt von Hermann Pohlmeier waren die Depressionsforschung und Selbstmordverhütung. Neun große Monographien und eine große Vielzahl von Zeitschriftenbeiträgen zu diesen Feldern zeigen seinen unermüdlichen Einsatz. Er war Mitbegründer der Deutschen Gesellschaft für Selbstmordverhütung und in seinen letzten Lebensjahren auch Präsident der Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben.

Forschungsengagement, Humanität und großzügige Kollegialität von Hermann Pohlmeier werden uns dankbar und mahnend in Erinnerung bleiben.

Der Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Psychologie

Mitteilungen der DGMP 61, Oktober 1996.