Zum Gedenken


Fritz A. Muthny (1945 - 2012)

Prof. Dr. med. Dr. phil. Fritz A. Muthny, geb. 11. April 1945 in Frischau, CSSR, ist am 14. Juni 2012 kurz nach seiner Emeritierung verstorben.

Fritz Muthny hat zwischen 1968 und 1980 Medizin und Psychologie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg studiert. 1977 wurde er im Fach Medizin mit einer empirischen Arbeit der somatischen Krebsforschung am Pathologischen Institut promoviert, 1984 folgte die Promotion im Fach Psychologie bei Jochen Fahrenberg am Psychologischen Institut mit einer Untersuchung zur psychophysiologischen Aktivierungsforschung. Zwischen 1981 und 1992 arbeitete Fritz Muthny an der Abteilung für Rehabilitationspsychologie am Institut für Psychologie in verschiedenen medizinpsychologischen und klinisch-psychologischen Forschungsprojekten zum Themenfeld Krankheitsverarbeitung. 1989 habilitierte sich Fritz Muthny mit dem Thema Spezifität und Adaptivität von Prozessen der Krankheitsverarbeitung - eine psychosomatische Vergleichsuntersuchung mit Herzinfarkt-, Dialyse- und MS-Patienten. Große Bedeutung in der Copingforschung erlangte Fritz Muthny durch den von ihm entwickelten und 1989 veröffentlichten Freiburger Fragebogen zur Krankheitsverarbeitung (FKV), der zu den Standardinstrumenten der Belastungs- und Bewältigungsforschung in der Gesundheitsversorgung zählt.

Neben seiner Forschungstätigkeit war er ein begeisternder akademischer Lehrer. Fritz Muthny verstand es in besonderer Weise, auch komplexe Zusammenhänge verschiedenen Zielgruppen wie Medizin- und Psychologiestudierenden, Ärzten und Pflegekräften in der Weiterbildung sowie dem wissenschaftlichen Publikum nahezubringen und Interesse zu entfachen. Ein großes Anliegen war ihm auch die Patientenversorgung. Hier hat er sich insbesondere um die psychosoziale Versorgung von Organspendern und Organempfängern verdient gemacht.

Nach seiner Habilitation wurde er zum Wintersemester 1992 an die Medizinische Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster auf den Lehrstuhl für Medizinische Psychologie berufen, den er bis März 2012 innehatte. Arbeits- und Forschungsschwerpunkte waren Coping, subjektive Theorien zu Gesundheit und Krankheit, Psychoonkologie, transkulturelle klinische Psychologie, die psychosoziale Fortbildung von medizinischem Personal sowie die Evaluation von Rehabilitationsmaßnahmen.

Für alle, die ihn näher kannten, war Fritz Muthny eine Persönlichkeit von großer Ausstrahlungskraft und Hingabe an seine Aufgaben. Er vereinte Lebensklugheit, Geradlinigkeit und Scharfsinn mit Heiterkeit und Humor.

Die Deutsche Gesellschaft für Medizinische Psychologie (DGMP), das Deutsche Kollegium für Psychosomatische Medizin (DKPM) und die wissenschaftliche Gemeinschaft der in der medizinischen Psychologie und psychosomatischen Medizin tätigen Kolleginnen und Kollegen trauern um Fritz Muthny. Er hat sich um sein Fach verdient gemacht und wurde allseits sehr geschätzt. Viel zu früh verlieren wir einen guten Kollegen und lieben Freund. Wir trauern mit seiner Familie, seinen beiden Töchtern.

Jürgen Bengel, Martin Härter, Uwe Koch, Gabriele Lucius-Hoene, Reiner Stegie


[Psychother Psych Med 2012; 62(08): 293. DOI: 10.1055/s-0032-1305190]