Zum Gedenken


Ursula Kaul-Hecker (1948 - 1997)

Ursula Kaul-Hecker, allen in der Medizinischen Psychologie Lehrenden als Mitherausgeberin eines der erfolgreichsten Lehrbücher unseres Faches vertraut, ist am 11.8.1997 nach langer, in den letzten Monaten sehr belastender Krankheit verstorben.

Ursula Kaul-Hecker wurde am 4.4.1948 in Westerstede geboren. Sie studierte Psychologie mit Schwerpunkt Sozialpsychologie am Hamburger Psychologischen Institut, einer ihrer wichtigsten akademischen Lehrer war Peter R. Hofstätter.

Im Jahre 1972 hat sie ihre Arbeit als Diplompsychologin an der Medizinischen Hochschule Hannover begonnen, zunächst an der Abteilung "Didaktik in der Medizin" bei Prof. Dahmer. Die längste Zeit war sie dann bis zum Jahre 1995 Mitglied der Abteilung Medizinische Soziologie im Zentrum für Öffentliche Gesundheitspflege (Leitung: Prof. Rohde). Jetzt gehörte sie der Abteilung Medizinische Psychologie (Leitung: Prof. Tewes) an.

1982 promovierte sie mit einer Dissertation zum Thema "Arbeitsbedingungen und Arbeitszufriedenheit von Pflegekräften und Ärzten" zum Dr. rer. biol. hum.

Ihre wissenschaftlichen Arbeiten umkreisten die beiden Themengebiete der Krankenhausorganisation und der Didaktik in der Medizin, jeweils unter differenzierten psychologischen Fragestellungen. Einige Arbeitstitel veranschaulichen das: Fluktuationsgründe des Pflegepersonals in der MHH (1975), Kostenbewußtsein leitender Mitarbeiter im Krankenhaus (1977), Forschungsprojekt zur Analyse der Arbeitsbedingungen des Pflegepersonals (1980), Unterrichtsevaluation in der Medizinischen Soziologie, u. a. des Berufsfelderkundungspraktikums.

1978 erschien unter der Herausgeberschaft von Kurt Buser und Ursula Kaul-Hecker die erste Auflage des Kompendiums "Medizinische Psychologie, Medizinische Soziologie" beim G. Fischer Verlag, Stuttgart (die zweite Auflage folgte 1981, die dritte 1991, und die vierte, erweiterte Auflage 1996).

Parallel dazu erschien dann 1988 das Buch "Krankenpflege-Unterricht einmal anders".

Diese beiden Bücher tragen sehr wesentlich die Handschrift von Uschi Kaul ( - so das Kürzel unter Mitarbeitern): Man erkennt ihre stets schwungvolle, engagierte, mit Fröhlichkeit durchsetzte mündliche Rede im schriftlichen Text wieder und den pädagogischen Impetus.

Engagiert hat sich Ursula Kaul-Hecker außerdem dem Aufbau einer Selbsthilfe-Organisation "Anonyme Eltern" in Hannover gewidmet. Ängste und Kaschierungen im Zusammenhang mit dem Thema der Kindesmißhandlungen in der Familie machen bei der Wendung an die Öffentlichkeit neben organisatorischem Geschick sehr diffizile psychologische Kompetenzen nötig.

Mit Liebe zur Teamarbeit und viel Courage ist Frau Kaul-Hecker an Arbeitsaufgaben herangegangen. Ihre Stimme, stets zu neuen Initiativen angeregt und anregend, wirkt weiter.

Der Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Psychologie

Mitteilungen der DGMP 65, November 1997.