Zum Gedenken


Ursula Brucks (1949 - 2004)

Am 14. Oktober 2004 hat Ursula Brucks (geboren am 1.5.1949) viel zu früh ihren Lebensweg vollendet. Wir - Freunde und Kollegen - haben sie sehr geschätzt und gemocht und unsere Gesellschaft hat ihr viel zu verdanken. Frau Brucks brachte in unsere Arbeit mit großem Engagement vor allem ihre vielfältigen wissenschaftlichen Erfahrungen zu migrationspezifischen Themen aus den Gebieten Psychologie und Soziologie ein, dies zuletzt als Mitglied unseres Vorstandes.

Am 4. November, dem Tag ihrer Beerdigung, fand in einem würdevollen Rahmen im Warburghaus der Universität Hamburg eine akademische Gedenkstunde statt. Meine dort vorgetragenen Worte möchte ich als Nachruf in unserem Rundbrief abdrucken:

Es ist knapp 6 Jahre her, dass ich Frau Brucks bei den Wartburg-Gesprächen in Weimar kennen lernte - aus der Literatur war sie mir durch ihre frühere Migrationsforschung bereits gut bekannt. Sie war gerne bereit, meiner Bitte nach wissenschaftlicher Begleitung und Organisationsberatung für unsere Marburger Station für interkulturelle Psychotherapie zu folgen.

Ihre sensible Analyse der damals schwierigen personellen Situation half Gräben zu überwinden, schaffte Raum, hinter der Unzufriedenheit der Mitarbeiter deren ursprüngliche Motivation wiederzufinden und entfachte neue Freude und Lust an der Arbeit. Es gelang Frau Brucks, aus dem Problem der unterschiedlichen Erwartungen von einweisenden Ärzten, Patienten und unseren Mitarbeitern an die stationäre Behandlung neue Wege der Kommunikation zu entwickeln. Sie ließ sich von schwierigen Situationen nicht abschrecken, sie suchte und fand immer Fäden, die zu Neuem führten und sie vermittelte ihre Freude an der Arbeit und ihren Respekt vor dem Anderen ganz unmittelbar.

Das betraf nicht nur die Mitarbeiter, sondern auch die Patienten, deren oft schwierigen sozialen Situationen sie nie mitleidig, sondern kritisch analytisch und auch kämpferisch begegnete. Gemeinsam entwickelten wir unter der behutsamen Führung von Frau Brucks neue Kooperationsmodelle mit den Hausärzten und es entstand eine Versorgungsforschung, die sich an den Bedürfnissen der Patienten und der ambulanten Behandler orientierte.

Aus dieser intensiven Arbeit, die Frau Brucks auch an ihre früheren Wurzeln der Migrationsforschung zurückführte, entstand eine enge Freundschaft und später auch gemeinsame Vorstandstätigkeit in der Deutsch-Türkischen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und psychosoziale Gesundheit. An der wissenschaftlichen Gestaltung unseres V. Deutsch-Türkischen Psychiatriekongresses 2003 in Essen war sie maßgeblich beteiligt und der Titel der Tagung "Verrückte Grenzen - Interkulturelle Begegnungen" wurde von ihr formuliert. Frau Brucks war für mich eine Ausnahmeerscheinung im Wissenschaftskreis: uneitel, kooperativ und immer neugierig suchte sie offene Begegnung auf Augenhöhe. Selbstinszenierung war ihr ein Greuel, sie warb allenfalls für ihre Ideen.

Und sie war ein liebenswerter, sehr herzlicher Mensch. Ihre Besuche in Marburg und meine in Hamburg und am Deich bei ihr und Bodo Wahl (ihrem Mann) waren immer anregend, ein Wechsel von Arbeit, intensivem Austausch, Entspannung und herzlichem Miteinander. Das blieb so bis zu ihrem Tod.

Uschi wird mir persönlich sehr fehlen, wird uns fehlen in Marburg und im Vorstand unserer Gesellschaft. Sie ist nicht zu ersetzen. Aber wir werden uns bemühen, unsere Arbeit in ihrem Sinne fortzuführen und weiterzuentwickeln. Und so wird Uschi auch weiter bei uns bleiben.

Eckhardt Koch

Deutsch-Türkische Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und psychosoziale Gesundheit

Rundbrief 2/2004